Morgens um halb sechs. Vier müde Kinder stehen vor der Badezimmertür und reiben ihre Augen. Die Schulbrote sind schon fertig, die Hühner gefüttert, alles im Zeitplan. Nur dass ihr 18-jähriger Sohn Kuba im Badezimmer trödelt, passt Mutter Agata nicht. „Beeile dich, du brauchst ja so lange wie ein Mädchen“, schimpft sie.Agata hat den Alltag gut im Griff. Ihr Mann Henryk ist Maurer und pendelt nach Deutschland, um dort zu arbeiten. Dann kümmert sich die 43-Jährige allein um Haus und Hof. Fünf ihrer Kinder sind schon groß und verdienen ihr eigenes Geld. Die sechs jüngsten gehen noch zur Schule.Früher wohnten sie mit elf kleinen Kindern in einer baufälligen Hütte. Heute haben sie ihr eigenes Häuschen. Der Haken: Das Glück ist sehr zerbrechlich. Obwohl sie vom Kindergeld profitieren, das die nationalkonservative PIS-Regierung einführte, reicht ihr Einkommen nicht, um Rücklagen zu bilden. Ehemann Henryk arbeitet mit Sohn Dawid in Deutschland und hangelt sich von Auftrag zu Auftrag. Findet er keinen Anschlussjob, wird er krank oder kann wegen Coronaeinschränkungen nicht arbeiten, reißt das ein riesiges Loch in die Haushaltskasse. Agatas größte Sorge: Henryk könnte krank werden oder einen Unfall haben. Dann müssten sie alles verkaufen und wieder bei Null anfangen.

Filmlänge: 32 Minuten

Format: Reportage
Land/Jahr: DE 2021
Sender: MDR / arte
Sendeplatz: Mo 11.01, 19:40 Uhr
Regie: Vivien Pieper
Kamera: Dunja Engelbrecht
Ton: Michael Sladek
Schnitt: Imke Koseck
Redaktion: Bettina Rudolph